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Dienstag, 19. September 2006Hallöchen ihr alle,
hier also das erste Lebenszeichen von mir aus Boston. Wie man sieht bin ich sicher hier gelandet und versuche mich seit jetzt über einer Woche an das Leben hier zu gewöhnen.
Ja wo soll ich jetzt anfangen, eine Woche und so viel Neues, wie man sich vorstellen kann.
Also ganz von vorne. Ich wohne im Moment in einer art Jugendherberge/Frauenhaus was auch immer, dass hab ich noch nicht so richtig definieren können. Also die Unterkunft hatte ich mir von Deutschland aus gebucht, und wenn man bedenkt, dass ich pro Woche 300 $ mit Frühstück und Abendessen bezahle, hatte ich auch ne bestimme Vorstellung, was ich erwarte. Aber weit gefehlt. Der erste Abend und schon ein riesen Schock. Das ganze ist halt schon etwas älter als ich gedacht hätte. Mein Zimmer: Bett, Schreibtisch, Schrank, Kommode und das war’s. Das ganze ungefähr 20 Jahre alt und die Putzfrau hätten die wohl auch besser mal richtig angelernt, aber ich muss sagen mit der zeit gewöhnt man sich an vieles. Auf jeden Fall ist das Bad auf dem Flur. Ok hatte ich ja auch schon in Finnland, aber da hatte ich wenigstens mein eigenes Waschbecken. Hier halt Klo, Waschbecken und Duschen alles in einem Raum (sehr schönes Zähneputzen wenn gleich nebendran jemand auf dem Klo thront ;). Übrigens auf meiner Etage wohnen noch ungefähr 30 andere und alle müssen durch dieses Bad, ich denke ihr könnt es euch vorstellen. Soviel zum Zimmer. Immerhin das Essen ist ganz in Ordnung. Ich würde sagen wie in einer deutschen Durchschnittsmensa. Viel Auswahl zum Frühstück und Dinner und ja, man kann sich hier erstaunlicher Weise auch gesund ernähren. Ich verstehe zwar noch nicht so ganz, wie man schon zum Frühstück Cola auf Eis trinken kann, aber muss man ja nicht alles nachmachen.
Sonst ist die Unterkunft aber eigentlich total praktisch. U-Bahn gleich um die Ecke und in 5 Minuten bin ich mitten drin in jeder Menge Sehenswürdigkeiten und dem „Leben“. Außerdem sind hier alle total nett. Wenn ich quatschen will findet sich immer jemand und wenn ich meine Ruhe will, ist das auch in Ordnung.
Hab ich schon erwähnt, dass Boston voll die schöne Stadt ist? Alles schön mit Parks und viel Grün und obwohl es auch kleine Wolkenkratzer gibt, hat man eigentlich nicht das Gefühl in einer Großstadt zu sein. Einen Fluss gibt es auch und die Aussicht über den Fluss auf die Skyline ist einfach toll.

Außerdem kommt man ziemlich preiswert innerhalb von wenigen Minuten mit der U-Bahn ganz bequem überall hin. Nur Busfahren sollte man sich besser verkneifen, bei den „Fahrplänen“ kommt wirklich keiner hinterher. Und Busfahrer sind auch die einzigen Leute von denen ich behaupten möchte, dass sie nicht der nettesten Gattung angehören.
Also Montag war der erste Arbeitstag. Net schlecht, Büro ist mitten in Cambridge und rundum ist Harvard. Also jede Menge Studenten, immer was los und jede menge Shops usw. da macht die Mittagspause auch so richtig Spaß, weil’s immer was zu sehen gibt. Außerdem bin ich mal wieder in einem ganz kleinen Büro gelandet. Ab nächste Woche, wenn Elise, meine Vorgängerin weg ist, bin ich mit meinem Chef allein. Ist irgendwie gemütlich. Büro ist halt nur ein großer Raum aber das ist auch ganz gut so, so hat man ab und zu mal jemandem zum quatschen. Außerdem ist mein Chef auch immer noch total nett, erklärt sehr viel und man kann immer fragen und bekommt prompt ne ausführliche Antwort, egal was er gerade macht. Er hat mich auch schon mitgenommen, Kunden ein paar Wohnungen zu zeigen. Sehr interessant, was für Löcher die hier für ein Heidengeld vermieten können.
Apropos Wohnung. Ich bin ja auch immer noch auf der Suche. Ich hab mir letzte Woche 2 Zimmer angesehen. Die Bilder im Internet sahen ja wirklich nett aus, aber wenn man die Realität dazu sieht, ist man echt sprachlos. Ihr könnt euch das Chaos nicht vorstellen, haben nen riesen Kleiderschrank und trotzdem sieht man in den Zimmern keinen Fußboden, weil so viele Klamotten rumliegen. Mal ganz abgesehen vom Thema Sauberkeit. Ich will nicht wissen welche Krankheiten man sich da alles holen kann. Und dann steht in der Anzeige „sauber und ordentlich“. Also die Suche bleibt weiter spannend.
Sonst hab ich noch nicht viel weiter erlebt während meiner ersten Woche hier. Liegt wohl daran, dass die Zeitumstellung schon ziemlich schwierig ist. Ich stehe morgens um 7 auf und komme vor 6 nicht nach Hause, da ich ungefähr ne dreiviertel Stunde brauche um auf Arbeit zu kommen und wieder zurück.
Gestern war ich mit Elli und ein paar Leuten Shoppen. Dazu haben wir uns ein Auto gemietet, da man zum Einkaufszentrum leider nicht mit der Bahn kommt. Das Mietauto war aber eigentlich ganz Preiswert, 30 Euro für einen Tag, das geht ja ab und zu. Nur selber würde ich nicht unbedingt fahren wollen. Wenn überhaupt Spuren auf den Straßen aufgezeichnet sind, hält sich immer noch keiner dran. Also der Fahrstil ist schon etwas chaotisch, da fahr ich doch lieber Bahn. Abends gabs noch ne Party. Hab auch gleich mal festgestellt, dass hier humanere Zeiten zum Weggehen gelten. Liegt wohl daran, dass die Bahn nur bis 12 fährt. Also war um 9 die ganze Stadt schon auf den Beinen zum feiern.
Die Party war in ner WG in der jede Menge Praktikanten vom Fraunhofer Institut wohnen. Ich hatte auf jeden Fall total viel Spass. Man stelle sich vor, 10 Kerle und 2 Mädels, von denen die eine (und das war offensichtlich nicht ich) vergeben ist. Ich hab noch nie so viele schlechte Anmachsprüche gehört wie an dem Abend. Und vor allem wurden die Sprüche dazu noch von allen anderen kommentiert. Was für ein Spass. Bin mal gespannt wie das weiter geht. Ich denke ja dass ich die Jungs jetzt öfters sehe.
So das wars erstmal soweit von meiner ersten Woche in der großen weiten Welt. Nach dem ersten Schock zu beginn, gefällt es mir im Moment richtig gut und ich bin echt gespannt was noch so kommt.
Ich hoffe ihr haltet mich auf dem laufenden, was in Deutschland so geht und wenn ich demnächst hoffentlich irgendwann mal nen richtigen Internetanschluss habe kann ich mich auch mal öfters und vor allem persönlicher melden.
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